Junge Festival-Blogger 2020

Interviews, Berichte und Kritiken - tägliche News rund ums Filmfestival

Auch durch Corona nicht zu stoppen: acht Lübecker Jugendliche bloggen von den 62. Nordischen Filmtagen Lübeck! Eine Genehmigung des Lübecker Gesundheitsamt hat das ermöglicht. Die Blogger sind zwischen 12 und 17 Jahren, sie schreiben Kritiken, drehen Videos und führen Interviews - sowohl in echt und vor Ort als auch per Videokonferenz. Angeleitet und unterstützt werden sie von Nadine Dietrich, langjährige Journalistin beim NDR. Dreizehn Spielfilme und zwei Kurzfilmblöcke warten auf sie - und auf euch!!! Die Blogger-Videos findet ihr auch in der Playlist der Jungen Festival Blogger 2020 und bei den Lübecker Nachrichten.

Durch den Teil-Lockdown treffen wir uns draußen im Stehen zu unseren Redaktions"sitzungen", schicken täglich Hunderte Nachrichten per WhatsApp hin und her und treffen uns in Videokonferenzen. Die Filme schauen alle Blogger Zuhause, außer am Freitag, da haben wir das Kommunale Kino fürs uns allein!

Erstmalig gab es in diesem Jahr eine digitale Begegnung mit Jugendlichen aus Oulu (Finnland). Die Jugendlichen schauten zeitgleich, jedoch fast 2000 Kilometer entfernt voneinander, den Film "Alle Ausländer haben geschlossene Vorhänge" aus dem Programm der Nordischen Filmtage Lübeck und dem Oulu International Children’s and Youth Film Festival. In einer anschließenden Videokonferenz tauschten sie sich aus und erarbeiteten eine Filmbesprechung, die in Form eines Videoblog-Beitrags auf den digitalen Plattformen beider Festivals veröffentlicht wird.

Die „Jungen Festival Blogger“ finden in Kooperation mit den Lübecker Nachrichten und dem NDR statt sowie in Zusammenarbeit mit den Oulu International Children‘s and Youth Festival. Das Projekt wird mit Mitteln der Carl-Arthur-Strait-Stiftung und des Bundesverbands Jugend und Film e.V. (BJF) ermöglicht.

Das sind wir! Schlangestehen vorm Kino ... das ist so "vor Corona" ;-)

Wie geht das Streamen?

Dieses Jahr können die Festivalfilme nur Zuhause geschaut werden. Deshalb haben die Bloggern Kjell und Calvin zusammen mit Sebastian Apel von den Nordischen Filmtagen Lübeck ein "How to..."-Video gedreht.

Wir waren dabei! Die Filmpreisnacht der Nordischen Filmtage Lübeck

Von Noema

Corona nervt-aber ein Gutes hat es: Wir, die Jungen-Festival-Blogger, dürften zum ersten Mal bei der Filmpreisnachtdabei sein! Sogar bei der Aufnahme!

Dieses Jahr wurde die Filmpreisnacht im Voraus aufgezeichnet, um sie dann zu der Uhrzeit streamen zu können, zu der sie üblicherweise live begonnen hätte. Dafür wurde das Lübecker Theater in ein Nordische-Filmtage-Studio umgewandelt. Überall waren blaue und türkise Lichter und verschiedenste Kameras. Es gab eine Band, die passende Jingles (musikalische Einspieler) spielte und der Schauspieler Stephan Szàsz moderierte.

Die Aufnahme sollte pünktlich um 13:40 beginnen, als es dann ca. um 14 Uhr losging, saßen wir Blogger gespannt oben im dritten Rang und beobachteten das Geschehen. Lange lief alles glatt durch und es wurden Gäste, wie beispielsweise der Bürgermeister Jan Lindenau und die künstlerische Leiterin Linde Fröhlich begrüßt. Preise wurden vergeben und Video-Danksagungen der Gewinner eingeblendet.

Doch nicht immer hat alles funktioniert, ein paar mal musste ein Take wiederholt werden, zum Beispiel wegen technischer Probleme. Die gesamte Aufnahme hat ungefähr zwei Stunden gedauert. Das Endergebnis, welches im Internet zu sehen ist, ist eine Stunde und 31 Minuten lang.

Am besten hat uns das Ende der Veranstaltung gefallen, in dem Linde Fröhlich, die in diesem Jahr die künstlerische Leitung an Thomas Hailer weitergeben wird, verabschiedet wurde. Die Atmosphäre und die Dankbarkeit haben sich auf alle im Raum übertragen. Es wurden viele Video-Botschaften gezeigt und ein Song für Linde gesungen.
Nach der Aufnahme wurden noch Fotos gemacht, unter anderem mit den Verkündern der Preise. Für uns war diese Veranstaltung eine interessante Erfahrung.

Videokonferenz mit dem "Tatortreiniger"

"Sörensen hat Angst" heißt der erste Film von Bjarne Mädel, bei dem er Regie geführt hat und außerdem die Hauptrolle spielt. Die Jungen Festival Blogger wollten wissen, wie das geht: zeitgleich vor und hinter der Kamera zu stehen? Man bekommt viel Lob von der Regie, meint Bjarne Mädel!

Was macht Bjarne Mädel, wenn er bei einem Casting nicht genommen wurde? Wie schaut er als Schauspielprofi und jetzt auch Regisseur die Filme als Jurymitglied beim NDR Spielfilmpreis der Nordischen Filmtage Lübeck?
Die Jungen Festival Blogger hatten jede Menge Fragen bei ihrer Videokonferenz mit dem "Tatortreiniger".

Alle Ausländer haben geschlossene Vorhänge

Filmkritik von Titus

 

Mariana (Karen Øye) ist 15, als ihr Bruder beschließt nach Afghanistan in den Krieg zu ziehen, und so seinen Vater gegen sich aufbringt, der ihn nach einem Streit schließlich rauswirft. In der Schule hat sich Mariana in Ali2 (Serhat Yildirim) verguckt, und auch von seiner Seite bemerkt sie Interesse, kann sich aber nicht sicher sein, ob er ernste Gefühle für sie hat, oder nur auf Sex aus ist. Probleme in der Familie, Unsicherheit in der Liebe und zu zerbrechen drohende Freundschaften bringen Mariana auf den Weg, erwachsen zu werden.

Karen Øye spielt im Film „Alle Ausländer haben geschlossene Vorhänge“ die Hauptrolle der Mariana, und fällt dabei besonders auf. Sie bringt Emotionen sehr gut rüber, und schafft es, dem Zuschauer eine authentische Sichtweise auf das Leben eines Mädchens zu geben, deren Mutter aus Norwegen und deren Vater aus Chile stammt.

Ich persönlich finde besonders die Schauspielerleistungen in diesem Film sehr lobenswert, sowohl von Haupt- als auch von Nebendarstellern. Auch die Kameraeinstellungen gefallen mir sehr gut, jedoch ist die Storyline hinter der Geschichte teils sehr verwirrend, da sie nicht für uns typisch ist, und viele Fragen offen lässt. Neben dem Plot gibt es unzählige kleine Subplots, die alle Fragen aufwerfen, von denen einige nur minimal, andere gar nicht beantwortet werden. Auch die Problematisierung von Themen wie Homophobie geht in diesem Film meiner Meinung nach in die falsche Richtung, und ein sexueller Übergriff auf einen homosexuellen Mitschüler wird verharmlost dargestellt, und nicht weiter thematisiert. Das Ganze ist natürlich ein Abbild der dort herrschenden Umstände, am Ende sieht man jedoch, dass auf einmal alles wieder gut ist, ohne dass hier die Konfrontation gesucht wurde. Im Allgemeinen kommt das Ende des Films dann sehr abrupt, alles scheint auf einmal gut zu sein, die Schüler merken, dass sie dann doch nicht ohne dieses Miteinander leben können. Dennoch sind am Ende noch viele Fragen offen.

Insgesamt sind viele Dinge in diesem Film gelungen, jedoch hat mich die Story dahinter nicht abholen können. Trotz allen diesen Kritikpunkten ist der Film dennoch unterhaltsam, und nicht langweilig anzusehen.

Sune - Bester Mann

Die Fortsetzung des im vergangenen Jahr sehr beliebten Films "Sune vs Sune"! Sune muss sich entscheiden: Klassenfahrt mit seinem Schwarm Sophie oder Trauzeuge bei seinem Opa. Ganz schön schwierig ... und dann wird alles noch komplizierter!

Filmkritik von Titus

Sune, ein bekommt von seinem zukünftigen Ich die Warnung, dass er eine falsche Entscheidung treffen wird, er erfährt nur nicht, welche das sein wird. Als dann seine Klassenfahrt auf das gleiche Wochenende wie die Hochzeit seines Großvaters fällt, welcher Sune zum Trauzeugen gemacht hat, steckt Sune in einem tiefen Dilemma: Er weiß nicht, ob er auf die Klassenfahrt, oder zu seinem Großvater auf die Hochzeit soll. Er entscheidet sich für seinen Großvater, nur am dann direkt wieder abzuhauen. So macht er sich auf turbulente Art und Weise auf den Weg in die Stadt, während sein Vater beinahe die Hochzeit zerstört.

„Sune bester Mann“ ist der 2. Teil der Sune-Story nach „Sune vs Sune“. Die Regie übernahm, wie schon im ersten Film, Jon Holmberg. Die in Schweden entstandene Kinderkomödie feierte 2019 ihre erstmalige Ausstrahlung. Gespielt wird sie in den Hauptrollen von Elis Gerdt, Sissela Benn und weiteren.

Ich finde, dass der Film eine großartige Kinderkomödie ist. Die Story ist sehr unterhaltsam und niemals langweilig. Geschwister, die sich gegen die Eltern zusammenschließen, ein kindliches Dilemma, Probleme der Eltern und Großeltern, all das macht diesen Film zu einem turbulenten, witzigen Filmerlebnis!

Auch die schauspielerische Leistung sticht in diesem Film sehr hervor. Besonders Elis Gerdt (Sune) und Baxter Renman (Håkan, sein kleiner Bruder) fallen für ihr junges Alter durch sehr gutes Schauspiel auf.

Insgesamt hat mir der Film sehr gut gefallen, die Mischung aus einer witzigen Geschichte und einer guten Schauspielerei machen ihn zu einem wunderbaren Erlebnis. Wer Spaß an Komödien hat, dem ist dieser Film auf jeden Fall zu empfehlen.

Turning Point

Tipps für Nachwuchs-Filmemacher, die Besetzung seines Films, Schwierigkeiten beim Dreh ... wir , Frida, Kjell und Calvin haben den in Lübeck lebenden Regisseur Lasse Bremsteller zu seinem Film "Turning Point" befragt.

Ihr letztes Festival als Künstlerische Leiterin: Linde Fröhlich

Zum Abschied von Linde Fröhlich als Künstlerische Leiterin der Nordischen Filmtage Lübeck haben Jakob und Niels sie im Studio im Hansemuseum interviewt. Linde Fröhlich wählt seit 20 Jahren die Filme aus, die bei den Nordischen Filmtagen Lübeck gezeigt werden und gestaltet das Festival stark mit. Ab nächstem Jahr übernimmt Thomas Hailer die Künstlerische Leitung.

Und das ist der Neue! Thomas Hailer von der Berlinale

Thomas Hailer wird der neue Künstlerische Leiter der Nordischen Fiilmtage Lübeck. Er hat vorher bei der Berlinale gearbeitet. Und sein Herz schlägt für Kinder- und Jugendfilme. Er hat ziemlich viele Pläne für Lübeck, das haben Lucie und Noema festgestellt.

Der Gewinnerfilm der Kinderjury: Flucht über die Grenze

Filmkritik von Lucie

„We‘re just children. Nothing is our fault.“
Das ist ein Zitat von Gerda aus dem Film „Flucht über die Grenze“.
Der Film spielt im Herbst 1942 während des 2. Weltkrieges, als deutsche Soldaten norwegische Juden verhaften und in Konzentrationslager bringen.
Die Geschwister Otto und Gerda, finden heraus, dass ihre Eltern zwei jüdische Kinder im Keller verstecken. Wegen des Verdachts Juden zu helfen, werden die Eltern von deutschen Soldaten verhaftet.
Nun ist es ihre Aufgabe, Daniel und Sarah sicher nach Schweden zu bringen. Das stellt sich aber als ziemlich schwierig heraus, denn überall sind deutsche Soldaten.
Es gibt spannende Verfolgungsjagden, aber auch wirklich traurige Szenen.
Mir wurde in dem Film klar, wie schlimm das damals wirklich war und dabei wurde nicht mal richtig Heftiges gezeigt.
Man hat die ganze Zeit mitgefiebert und es gab keine Stelle im Film, in der es langweilig wurde. Ein großes Thema war das Vertrauen. Nicht nur, dass Otto den Geschwistern Sarah und Daniel nicht vertraut hat und andersherum, sondern auch, dass die vier Kinder niemandem vertrauen konnten, da jeder sie an die Deutschen hätte ausliefern können.
Wirklich beeindruckend fand ich, wie gut der Film gedreht wurde und wie echt die Schauspieler:innen die Szenen dargestellt haben, obwohl sie ja noch sehr jung sind.
Die Altersempfehlung 12 passt relativ gut, auch wenn der Film sehr ernst und die Judenverfolgung ein sehr schweres und trauriges Thema ist.
Ich würde den Film „Flucht über die Grenze“ auf JEDEN Fall weiterempfehlen, wirklich für alle!

Wir haben die Kinderfilm-Jury getroffen ... nach ihrem zweiten Film von sechs im Wettbewerb

Frida, Lucie und Noema stellen die vier Mädchen vor, die in diesem Jahr entscheiden, welcher Film als bester Kinderfilm ausgezeichnet wird.

Das Rudel

Am Freitag hatten wir das Kommunale Kino für uns acht Blogger alleine und haben "im Rudel" den tschechischen Film "Das Rudel" gesehen :-)

Dokumentarfilmtipps von Linde Fröhlich

Zweimal zwei Filme empfiehlt die Künstlerische Leiterin der Nordischen Filmtage Lübeck: zwei zum Thema "Körper" und zwei zu "Utopien". Ein Video von den Jungen Festival Bloggern Niels und Jakob.

Das Schloss - eine Litauerin in Irland

Filmkritik von Frida

„Heute werden wir wunderbare Musik hören, bitte begrüßen Sie mit Ihrem Applaus das junge Talent Monika.“ Sie setzt sich ans Klavier, und beginnt zu spielen und zu singen.
Ein emotionaler und tragischer Film, der die Geschichte der 13-Jährigen Monika erzählt, die es liebt zu singen. Zusammen mit ihrer Mutter und Ihrer Oma wohnt sie in Dublin, ursprünglich kommen sie aber aus Litauen. Monika, begleitet von ihrer Mutter auf dem Klavier, tritt vor Publikum auf. Als sie in finanzielle Schwierigkeiten kommen, gibt ihre Mutter das Klavier weg. Verzweifelt versucht Monika, an Geld für ein Klavier zu kommen, da sie ein Angebot für einen Auftritt in einem Schloss hat, wo sie eigentlich mit ihrer Mutter zusammen hinfahren wollte. Diese hat das Klavierspielen jedoch hingeschmissen, um sich mehr um Monikas depressive und senile Oma kümmern und mehr in der Fischfabrik arbeiten zu können.
Ihre Großmutter läuft weg, sie will wieder nach Litauen zurück. Das bringt Monika auf eine Idee: Sie sendet eine Lösegeldforderung an ihre Mutter, in der sie behauptet, dass ihre Oma entführt wurde und nur gegen Lösegeld nicht getötet werde.
Sehr gut finde ich die schauspielerische Leistung Jūratė Onaitytės, die die Großmutter mit großer Überzeugung spielt.
Barbora Bareikytėt verkörpert Monika ebenfalls sehr glaubwürdig, realistisch und emotional.
Die Ausweglosigkeit von Menschen, die sehr wenig Geld haben wird in diesem Film sehr gut widergespiegelt. Alle versuchen verzweifelt, irgendwie an Geld zu kommen - ob es die vielen, schlechtbezahlten Schichten in der Fischfabrik sind, wo die Arbeiter ständig Fisch bei Seite schaffen, um ihre Familien zu ernähren, Klamotten aus Altkleidercontainern stibitzen , um sie dann später für wenig Geld zu verkaufen, oder Zigaretten schwarz zu verhökern….
Die Kameraperspektiven fand ich in diesem Film dagegen eher eintönig, da hätte ich mir mehr Abwechslung gewünscht. Teilweise werden manche Einstellungen in die Länge gezogen, was auf Dauer etwas langweilig wird.
Ein berührender Film über verlorene Träume – von der Zukunft, von der Heimat – während Monika noch von ihrem Zukunftstraum zehrt, hat ihre Mutter ihen nun begraben und ihre Großmutter hängt ihrem Traum von der Heimat bis heute vergeblich hinterher. Sehr sehenswert!

Noema gefällt der Film über Monika, ein litauisches Mädchen in Irland. Ihre alleinerziehende Mutter ist so arm, dass sie das von Monika geliebte Klavier verkaufen muss. Monika entführt daraufhin die eigene Oma, um ein Lösegeld zu erpressen. Leider keine Komödie. Warum der Film Noema gefällt, sehr ihr hier:

Der Wunsch - ein Kurzfilm aus Island

eine Filmkritik von Noema

Der Kurzfilm „Der Wunsch“handelt von dem Wunsch der Neunjährige Karen ihren Vater bei sich zu haben.Sie hatte nie die Chance ihn kennen zu lernen, weil ihr Vater sich nicht bei ihr gemeldethat. Doch nun gibt es das erste Treffen, zusammen mit ihrer Mutter.Es scheint ganz so, als ob sich ihr Wunsch erfüllt. Beim zweiten Treffen kommt KarensMutter nicht mit und Vater und Tochtergehenzusammen in das „Theater“des Vaters.Dort bekommt Karen Angst und läuft weg. Als nun allewieder mit der Mutter zusammentreffen,gibt es eine intensive Diskussion zwischen Karens Eltern. Ob ihrem Vater dadurch klar wird was er all die Jahre falsch gemacht hat und sich jetzt bessert?Als Zuschauer:in sieht man das, was Karen ihren Freunden kurz nach demzweitenTreffen erzählt, wodurch ihre Stimme auch als Erzählerstimme eingesetzt wird und ein interessantes Verhältnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschaffen wird. Besonders spannend macht den Film, dass er autobiographisch ist.Alles in allem ist der Kurzfilm mit seinen 19 Minuten ein schöner Familienfilm ab 8 Jahren.

Alls Ausländer haben geschlossene Vorhänge

Filmkritik von Calvin

Von einem Mädchen namens Mariana: sie sehnt sich nach der Anerkennung durch ihren Schwarm Ali, im Film Ali2 genannt, und wird zu einer deutlich reiferen Person, die selbstbewusst aus einer schwierigen Phase ihres Lebens tritt: Mariana muss aushalten, dass ihre Eltern ihren geliebten älteren Bruder Hector rauswerfen.
Die 15-jährige Mariana lebt mit ihren Eltern und zwei Brüdern in einer norwegischen Vorstadt. Eines Teages meldet sich ihr älterer Bruder Hector zum Militärdienst in Afghanistan. Darauf bricht ein heftiger Streit zwischen Sohn und Vater aus, denn der Vater war Flüchtling und will seine Familie vor Krieg schützen, während Hector seinen Vater aufgrund dessen Rolle als Hausmann nicht respektiert. Als letzte Aussicht darauf, dass sein Sohn nachgibt, droht der Vater, Hector aus der Familie auszuschließen. Hector geht.
Zurückgelassen läuft Mariana verliebt dem Mädchenschwarm mit türkischen Wurzeln Ali2 hinterher, streitet sich mit ihren Freunden und übernimmt eine Eltern-Rolle für ihren jüngeren Bruder Matias. Etwas, das zuvor Hector für sie getan hatte.
Durch die immer größer werdende Verantwortung steigert sich deutlich ihr Selbstbewusstsein. Es stellt sich nur die Frage, ob sie in der Lage ist, die Konflikte Zuhause und im Freundeskreis eigenständig zu lösen. Auch ihre Beziehung mit Ali2 ist nicht wirklich auf Augenhöhe, der Sexismus ist kaum zu übersehen.

Mir gefällt, dass der Film viele Gelegenheiten nutzt, um das Umfeld der Jugendlichen zu beschreiben; es ist voller Xeno- und Homophobie und bietet für niemanden emotionale Sicherheit. Gefühle anderer Menschen werden nicht geachtet und der grobe Umgang ist Normalität. Hass, Angst und Eifersucht gehören zur Tagesordnung. Auch Zuhause bei der Mariana wird es nicht besser, denn ihre Eltern sind nicht in der Lage, trotz der hart arbeitenden Mutter und des fürsorglichen Vaters, sich ausreichend um ihren jüngeren Bruder, geschweige denn um sie, zu kümmern. So wird sie ins Erwachsenwerden hineingezwungen.
Die Darsteller waren alle in der Lage, ihre Rolle sehr authentisch zu spielen, aber besonders Jonatan Rodriguez, der Vater von Mariana, hob sich vom Rest ab. Für seine Zeit im Bild brachte er sehr viele verschiedene Emotionen glaubhaft rüber, in sowohl ernsten als auch entspannten Szenen.
Visuell hat der Film einiges zu bieten, keine Szene wirkt optisch fehl am Platz und es gibt viele Momente bei denen Ideen und Umsetzungen einfach nur super sind.
Ein Problem, das ich persönlich mit dem Film hatte, ist dass er mich nicht fesseln konnte. Die besonders emotionalen Szenen haben mich nicht wirklich berührt. Dennoch, der Film war sehr interessant, nicht zuletzt wegen der häufigen Situationswechsel blieb man gerne aufmerksam.
Alle über 12 Jahren, die ein Film anspricht, bei dem man Jugendlichen mit wenig Geld und nur wenig Bildungsmöglichkeiten beim Erwachsenwerden zusehen kann, sollten sich diesen Film ansehen.